Traumjob als Tätowierer auf Gran Canaria noch nicht angetreten, der Gewinner über die Sendung
Nachrichten Spanien und Kanaren, für den 12. Februar 2008 - Gran Canaria: Kommentar von Heiko F., dem Gewinner der Doku-Soap 'Mein neuer Job - Motive
stechen unter Palmen' auf die Berichterstattung von IslaCanaria.net - Bislang hat der Tätowierer mit Soziologie-Studium seinen Traumjob unter der Sonne der Ferieninsel Gran Canaria noch nicht angetreten.
Gran Canaria, Playa del Ingles: Als wir von IslaCanaria.Net die TV-Produktionsfirma, des Formats 'Mein neuer Job' und den Besitzer des Tattoo Studios 'Black & White' zusammen brachten dachten auch wir tatsächlich, arbeitswillige Deutsche sollen unter Mithilfe des TV mit potentiellen Arbeitgebern zusammengebracht werden, um dann vor Ort um den Traumjob zu kämpfen. Für Menschen, die schon des öfteren an solchen Formaten teilgenommen haben, oder solchen, die diese Erfahrung gerade erst gemacht haben, stellt sich eine derartige Sendung jedoch komplett anders dar. So auch für Heiko F., den Gewinner der letzten Gran Canaria-Ausgabe von 'Mein neuer Job'. In Anlehnung an unseren Artikel "Business as usual: Unglücklicher Zusammenschnitt von 'Mein neuer Job' auf Gran Canaria", hat der tätowierende Diplom Soziologe sich zu Wort gemeldet und die Sendung, sowie die Berichterstattung über die Sendung kommentiert. Wir wollen unseren Lesern diesen Kommentar nicht vorenthalten - Lesen Sie die Meinung des Traumjob-Gewinners …
[info]Anfang Kommentar Heiko F, Gewinner von Mein neuer Job - Motive stechen unter Palmen[/info]
Nachdem Ich kürzlich das zweifelhafte Vergnügen hatte, in einer Doku-Soap des Deutschen Privatfernsehens vorzukommen, und in diesem
Zusammenhang durch islacanaria.net davon erfuhr, daß Ich gerade in Berlin "meine Koffer packe", will Ich es mir nun nicht nehmen lassen im Weltweiten Netz meinen Senf dazuzugeben.Zunächst einmal ein paar Grundsatzpunkte vorneweg: Das Ich nun einfach mir nichts, Dir nichts auswandere stand so eigentlich nie zur Debatte. Nachdem Ich als Gewinner dieser Show feststand, hatte Ich mit dem Besitzer des Ladens zunächst vereinbart, das Ich bereit wäre, diesen Arbeitsplatz für ein, zwei, vielleicht auch drei Monate auszuprobieren, ob dabei ein längerfristiges Arbeitsverhältnis entsteht müsste sich dann zeigen: Ich hatte durchaus eine ganze Reihe von Bedenken bei diesem Job und hatte das beim Bewerbungsgespräch auch mehrfach angesprochen. Nur war dieses "Bewerbungsgespräch" eben für´s Fernsehen inszeniert und deshalb passten die Anforderungen, die ein Bewerber an seinen potentiellen Arbeitsplatz stellt einfach nicht in die Dramaturgie dieser Sendung…schließlich soll das alles nach dem Schema "Jeder will der Beste sein um den Job zu bekommen" ablaufen. Deshalb hat man von alledem in der gesendeten Fassung auch nichts gesehen.
Der Besitzer des Ladens zeigte sich verständnisvoll und wir tauschten e-mail-Adressen aus um nach meiner Abreise das ganze organisieren zu können. Kaum in Berlin angekommen hab Ich ihm umgehend gemailt und dann wieder und wieder und habe bis heute( knapp 4 Wochen später!) nicht einmal eine Antwort erhalten… und die Adresse falsch eingetippt hab Ich bestimmt nicht, da in einem solchen Fall die Elektropost in der Regel wieder zurück kommt.
WIE FUNKTIONIERT SO EINE "DOKU-SOAP" ÜBERHAUPT ???
Wenn Ich mir den Artikel auf islacanaria.net so durchlese,kann Ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß über den Wahrheitsgehalt socher Sendeformate ziemlich illusorische Vorstellungen in den Köpfen der Autoren herumgeistern. Das ging mir übrigens bis vor kurzem ebenso, Ich weiß es mittlerweile besser, aber eben auch nur deshalb, weil Ich bei einer mitgemacht habe.Beispielsweise finde Ich es im Nachhinein eher unterhaltsam, Artikel wie diesen zu lesen, in denen über die fachliche Qualifikation der Bewerber, speziell meines Mitprotagonisten W., debattiert wird. Offenbar scheinen die meisten Menschen doch davon auszugehen, daß es bei solchen Shows tatsächlich darum ginge, daß irgendwer einen Arbeitsplatz bekommt.Dabei wurde W. meines Erachtens von der Produktionsfirma ohnehin nur ausgewählt, um ihn als Vorzeigetrottel vor ganz Deutschland vorzu- führen….was seitens eben dieser Produktionsfirma eigentlich eine interne Diskussion über die ethisch-moralischen Maßstäbe ihres eigenen Tuns auslösen sollte, jedoch garantiert nicht wird.
Im Grunde wurden die Kandidaten sowieso nicht nach irgendwelchen Kriterien bezüglich des Jobs ausgesucht, sonderm nach bestimmten Klischheevorstellungen des Zielpublikums.Ich selbst wurde auch ganz gewiss nicht deshalb als Kandidat auserkoren, weil Ich so hübsch oder humorvoll oder was-weiß-Ich wäre, sondern ganz einfach deshalb, weil Ich mit abgeschlossenem Soziologie-Studium bestimmten Tätowierer-Klischees widerspreche. Schließlich lassen sich Klischees nicht nur dadurch bedienen das sie erfüllt werden, sondern auch indem man sie widerlegt. Und einzig und allein deshalb dürfte Ich für diese Sendung interessant gewesen sein.Ich kann mich jedenfalls noch sehr gut daran erinnern, daß Ich beim Casting zwar nach allem möglichen Humbug befragt wurde, jedoch niemand dort Fotos von meinen Arbeiten hat sehen wollen.
Ich hätte auch einfach behaupten können Ich sei Tätowierer,wirklich interessiert hat das bei der Produktionsfirma niemand.Und als Gegenpol zu mir, musste dann halt noch jemand mitrein, der auch die abgedroschensten Klischees über Tätowierer voll bestätigt. Daß dürfte, kurz gefasst, der Gedankengang gewesen sein, aus dem heraus W.
ausgewählt wurde. Melanie, als Frau in einem (angeblich) typischen Männerberuf, ist in diesem Zusammenhang halt auch ausergewöhnlich….zumindest für den durchschnittlichen Kabel eins-Zu- schauer (Ich persönlich finde eigentlich nicht, das es so etwas wie "typische Männerberufe" überhaupt geben sollte, aber das ist nun wieder ein anderes Thema).Letzten Endes scheint mir der einzige Traumjob, um den es bei der ganzen Geschichte wirklich jemals ging, der der Redakteurin gewesen zu sein… wobei man sich sogar darüber streiten könnte, denn auch deren Gestaltungsspielraum beim produzieren dieser Sendung dürfte äußerst gering gewesen sein. Mir Kreativität ist da nicht viel, solche Sendungen funktionieren nach bestimmten Regeln und wenn man sich als Redaktrice im Schneideraum nicht an die Vorgaben hält, stehen bestimmt 20 andere
Medienfuzzis bereit, die sich auch nach dem ödesten Job im hart umkämpften Filmbusiness die Finger lecken. So wie wir als "Protagonisten" für sie nichts weiter waren als nützliche Idioten, so ist sie selbst gegenüber ihrem Brötchengeber halt auch nix anderes…abgesehen vielleicht von der Tatsache, daß sie wenigstens dafür bezahlt wird.Hinsichtlich der ausgestrahlten Endfassung war mein persönlicher Eindruck eigentlich, daß die Charaktere der einzelnen Personen durchaus authentisch rüberkamen. Ich finde übrigens auch nicht unbedingt, daß K. durch die Reingeschnittenen Kommentare von W. lächerlich gemacht wird,eher umgekehrt.
So wie Ich die Sendung wahrgenommen habe kam Melanie von allen Beteiligten am Besten rüber und das gönne Ich ihr auch von ganzen Herzen.Was mich selbst betrifft, so empfand Ich es als äußerst nett von den Fernsehleuten, daß man die "Bei mir Zuhause"-Szene mit "Mr.Sandman" von den Andrew Sisters unterlegt hat.
Was die Handlung der Sendung angeht, ist das jedoch alles eher Soap als Doku.Es gab noch eine ganze Reihe von Dingen, die dem Zuschauer entgangen sind, z.B.Wer, außer Wolfgang, keine Mappe mit Fotos seiner Arbeiten hatte oder wer bei einem Tattoo mit Geburtsdatum statt einer 4 versehentlich eine 9 tätowiert hat( Und den Fehler anschliessend allen Ernstes mit weisser Tätowierfarbe wieder verschwinden lassen wollte). Aber das werd Ich jetzt nicht verraten, Ätsch!
Im Großen und Ganzen wär´s das meinerseits.
Es lebe Antonio Cubillo - Tiocfaidh ar la !!!
Heiko Fähndrich, Berlin den 11.02.2008
[info]Ende Kommentar Heiko F, Gewinner von Mein neuer Job - Motive stechen unter Palmen[/info]
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